Du nutzt ChatGPT, Midjourney, KI-Tools im Marketing? Oder berätst Clients damit? Dann brauchst du diesen Guide.
Konkrete Antworten für Agentur-Inhaber, Coaches und Berater – nicht abstrakte Regulierung.
Der EU AI Act regelt nicht nur große Tech-Firmen. Dein Geschäftsmodell könnte betroffen sein, wenn du:
Beispiel: Du nutzt ChatGPT für Copywriting, Midjourney für Entwürfe, Zapier für Automation.
ABER: Wenn deine Clients das Ergebnis sehen, musst du eventuell transparent sein ("Mit KI unterstützt").
Beispiel: Du erstellst Social-Media-Posts, Blog-Artikel oder Bilder mit KI-Tools und gibst sie deinen Clients.
Beispiel: Du entwickelst einen KI-Chatbot für Clients, ein Recommendation-System, oder automatisierte Entscheidungssysteme.
Wenn du auf die ersten beiden "Ja" antwortest: Du brauchst die nächsten Sections.
Hier sind typische Szenarien aus eurem Alltag und wie der AI Act sie bewertet:
Was du tust: Du schreibst Social-Media-Posts mit ChatGPT-Unterstützung für deine Clients.
Compliance: Keine besonderen Anforderungen. Das ist "minimal risk".
Praktisch: Wenn dein Client fragt "Wer hat das geschrieben?" → ehrlich sagen "Mit KI-Unterstützung geschrieben, von mir überprüft".
Was du tust: Du schreibst Newsletter oder Willkommens-Emails mit ChatGPT-Hilfe.
Compliance: OK. Das ist deine interne Arbeitserleichterung.
Praktisch: Achtung: Keine Kundendaten (Namen, Email-Adressen) in ChatGPT eingeben. Datenschutz ist wichtiger als AI-Act hier.
Was du tust: Du generierst Bilder für Web-Designs, Social Posts, oder Mockups.
Compliance: OK, solange du die Bilder nicht als "echt" ausgibst oder Copyright verletzt.
Best Practice: Im Projekt-Briefing zu deinem Client: "Design mit AI-Tools erstellt und von mir poliert".
Was du tust: Du automatisierst Workflows (CRM-Sync, Email-Versand, Form-Processing).
Compliance: Keine besonderen Anforderungen, solange keine kritischen Entscheidungen getroffen werden.
Praktisch: "Wenn Lead kommt, Email versenden" = OK. "Wenn Alter < 18, automatisch ablehnen" = Problematisch (Red).
Was du tust: Du nutzt ChatGPT, um Ideen für Coaching-Inhalte zu sammeln, oder um einen Kurs zu strukturieren.
Compliance: OK. Das ist reine Ideenfindung.
Praktisch: "ChatGPT, gib mir 10 Ideen für Stress-Management-Inhalte" → du schreibst dann deine eigenen, eigenen Erfahrungen darüber.
Was du tust: Du nutzt Canva-KI, Freepik-KI, oder andere Tools um schnell Social-Media-Grafiken zu erstellen.
Compliance: OK. Das ist Standard-Marketing-Tool mittlerweile.
Praktisch: Achte auf Lizenzen (Canva Pro, Freepik Pro → kommerzielle Nutzung OK).
Was du tust: Du setzt einen KI-Chatbot auf, der häufig gestellte Fragen beantwortet ("Wie viel kostet das Projekt?", "Wann könnt ihr starten?").
Das Risiko: Der Bot könnte falsche Infos geben oder unhöflich wirken.
Compliance: Du brauchst:
Was du tust: Du bietest deinen Coaching-Kunden einen KI-Bot an, der "personalisierte Übungen" vorschlägt oder "tägliche Mindfulness-Tipps" gibt.
Das Risiko: Die KI könnte medizinisch schädliche oder psychologisch ungenaue Tipps geben. Jemand vertraut dir und der KI, bekommt schlechten Rat.
Compliance: Du brauchst:
Was du tust: Du schreibst große Teile deines Online-Kurses mit ChatGPT (Lektionen, Übungen, Skripte).
Das Risiko: Deine Schüler zahlen für "deine" Expertise. Wenn sie merken, dass 70% KI ist, vertrauen sie dir nicht mehr.
Compliance: Du brauchst:
Praktisch: "Mit KI-Tools unterstützt, von mir überprüft und personalisiert" ist ehrlich.
Was du tust: Du nutzt KI um ein "Avatar-Video" von dir zu generieren (z.B. HeyGen), oder du generierst Testimonial-Videos mit KI-Sprechern.
Das Risiko: Nutzer könnten denken, dass echte Personen in deinen Videos sprechen.
Compliance: Du MUSST offenlegen, dass es KI ist:
Praktisch: Ein Avatar-Video von dir als Coach kann OK sein, wenn klar ist, dass es du bist (deine Stimme, dein Gesicht). Aber Testimonials von "Fake-Personen" sind problematisch.
Was du tust: Du nutzt eine KI (oder baust eins), die automatisch Kunden in Kategorien teilt ("Hot Leads" vs. "Cold Leads") oder personalisiert den Content pro Nutzer.
Das Risiko: Die KI könnte unfair segmentieren. Z.B. "Frauen sind weniger wahrscheinlich zu kaufen" → automatisch niedrigere Priorität.
Compliance: Du brauchst:
Was du tust: Du baust ein System, das automatisch entscheidet, welche Leads "gut genug" für dich sind. Das System lehnt automatisch ab, wenn der Lead nicht passt.
Das Problem: High-Risk System. Die KI könnte diskriminieren ohne es zu merken (z.B. lehnt automatisch "unbekannte Branchen" ab, aber das trifft überproportional Migranten-Businesses).
Compliance: Das ist KOMPLEX. Du brauchst:
Empfehlung: Nicht allein machen. Sprich mit AI-Compliance Anwalt.
Was du tust: Du baust ein System, das automatisch Preise anpasst oder Rabatte vergibt basierend auf "wer der Kunde ist".
Das Problem: Das könnte zu Diskriminierung führen. Z.B. "Junge Männer zahlen mehr", oder "Bestimmte Regionen bekommen schlechtere Preise".
Real-World Example: Amazon wurde kritisiert, weil ihr KI-Recruiting-Tool Frauen systematisch niedriger bewertet hat.
Compliance: Du brauchst:
Empfehlung: Wenn möglich: NICHT automatisiert machen. Manuelle Review mit KI-Vorschlag ist sicherer.
Was du tust: Du nutzt eine KI, um automatisch zu bewerten, welche Mitarbeiter "gut" arbeiten, oder um neue Kandidaten zu screenen.
Das Problem: Das ist HIGH-RISK. Die KI könnte systematisch gegen Frauen, Minderheiten, oder ältere Menschen diskriminieren.
Compliance: Das MUSS konform sein:
Empfehlung: Nur mit Compliance-Anwalt und HR-Experte machen.
Was du tust: Du bietest deinen Kunden einen KI-Bot an, der "deine psychische Gesundheit bewertet" oder "deine Burnout-Level misst".
Das Problem: Das ist SEHR risikreich. Die KI könnte:
Legal-Risiko: Sehr hoch. Du kannst verklagt werden, wenn jemand aufgrund der Bot-Aussage Schaden nimmt.
Compliance: Wenn du das machst, brauchst du:
Empfehlung: Besser NICHT machen. Die Legal-Risiken überwiegen den Nutzen.
Was du tust: Du nutzt KI, um automatisch zu entscheiden, ob eine User-Anfrage (z.B. "Lös meine Daten") genehmigt wird oder nicht.
Das Problem: Das ist eine Entscheidung über Grundrechte (DSGVO-Recht auf Vergessenwerden). Wenn die KI unfair ist, könnte das rechtlich anfechtbar sein.
Compliance: Du brauchst:
Praktisch: KI kann einen Vorschlag machen ("Sieht aus wie Spam"), aber der Mensch muss die Entscheidung treffen.
Abhängig von deinem Szenario — hier sind die konkreten To-Dos:
Liste alle KI-Tools auf, die du nutzt (ChatGPT, Midjourney, Zapier, etc.)
Dokumentiere, wie dein Team KI nutzen darf (z.B. "Keine Kundendaten in ChatGPT", "Immer Output checken")
Stelle sicher, dass du keine sensiblen Client-Daten in öffentliche KI-Tools eingibst (z.B. kein Kundennamen, Email-Adressen in ChatGPT)
Wenn Clients fragen: Sage ehrlich, dass du KI-Tools nutzt. Aber es ist nicht "verboten" oder "unethisch".
Dokumentiere in deinen Verträgen: "Wir nutzen KI-Tools im Designprozess. Die finalen Outputs werden von uns überprüft."
Checke ALLE KI-Outputs vor Delivery: Sind sie sachlich korrekt? Stimmen die Bilder? Ist der Text verständlich?
Wenn dein Client ein "Limited Risk" Szenario ist (z.B. ein Chatbot): Sage dem Client: "Der Bot ist KI-powered."
Stelle sicher, dass die generierten Bilder/Texte frei von Copyright-Problemen sind (z.B. Midjourney Lizenz beachten)
⚠ Das ist komplexer. Du brauchst:
Dokumentiere: Welche Risiken hat das System? Was könnte schiefgehen? Wer könnte geschädigt werden?
Falls dein System Menschen kategorisiert oder bewertet: Teste, ob es fair ist (nicht diskriminiert)
Schreibe auf: Wie funktioniert das System? Welche Daten nutzt es? Wie wurde es getestet?
Überwache das System in der Praxis. Logge Entscheidungen. Sei bereit, Fehler zu erkennen und zu beheben.
Bei kritischen Entscheidungen: IMMER ein Mensch überprüft, bevor das System handelt.
Bei besonders risikoreichen Systemen: Hole dir externe Compliance-Prüfung (z.B. von Rechtsanwälten oder AI-Experten)
ABER: Gib keine Kundendaten ein (Namen, Adressen, Geschäftsgeheimnisse). Das ist ein Datenschutz-Problem, nicht AI-Act Problem.
Ein Chatbot, der "Häufig Gestellte Fragen" beantwortet? Low Risk. Ein Bot, der automatisch Kunden priorisiert? High Risk.
Best Practice: Immer einen Disclaimer haben. Und bei kritischen Themen: "Für wichtige Entscheidungen konsultiere einen Experten."
Aber:
Trend: Compliance ist besser als hoffen, dass es niemandem auffällt.
Nicht sorgen: Wenn du einfach ChatGPT brauchst, um schneller Texte zu schreiben. Das ist normal.
Du weißt jetzt, worum es geht. Hier ist, was du konkret TUN solltest:
ChatGPT? Midjourney? Zapier? Make.com? Everypixel? Schreib alles auf.
Intern = kein Problem. Clients = medium risk.
Wenn Nein = Low Risk. Wenn Ja = High Risk, brauchst du mehr Arbeit.
Das ist transparent und schützt dich rechtlich.
Speicher das als 1-Seiter für alle.